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Sinkende Strompreise - aber nur für die Industrie
07. Januar 2012:
Nach der Energiewende im Sommer wurde schon prognostiziert, billiger
wird Strom nicht. Diese Vermutungen sind für den Privathaushalt auch
durchaus richtig, profitieren kann aber wieder einmal der Großabnehmer.
Aufgrund des milden Winters und steigender Importe fallen die
Strompreise an der Energiebörse EEX erstmals wieder unter das Niveau
vor der Katastrophe in Fukushima. Tschechische und französische
Kernkraftwerke exportieren im Moment sehr gerne Strom nach
Deutschland, denn auch hier kann man aufgrund des milden Winters
reichlich abgeben.
Hinzu kommt, dass die Preise für Zertifikate
ebenfalls einen Preisrutsch hingelegt haben, aktuell kosten sie nur
noch die Hälfte des Preises vom Sommer 2011. Warum kann der
Privathaushalt wieder einmal nicht von sinkenden Strompreisen
profitieren? Die Erklärung scheint recht einfach, denn die Industrie
kauft sehr kurzfristig und selbst am Spotmarkt. Privathaushalte sind
aber hingegen an Verträge gebunden, die nicht selten mindestens ein
Jahr laufen. Sie können also von kurzfristigen Preissenkungen nicht
profitieren. Hinzu kommt eine weitere Ungerechtigkeit. Höhere
Netzgebühren und die Steigerung der Erneuerbare-Energien-Umlage von
2013 bis 2016 werden an den Privathaushalt weiter gegeben.
Großabnehmer wie die Industrie profitieren hingegen von
Sonderregelungen und Ausnahmen. Nach wie vor gibt es keinen echten
Wettbewerb für den Endkundenmarkt. Zu wenige deutsche Haushalte sind
wechselwillig und verbleiben häufig zu lange in ihrem alten und meist
teureren Stromtarif. Die Stromkonzerne müssen sich in diesem Sektor
keine große Mühe geben, denn der Verbraucher übt keinerlei Druck aus.
Zu hoffen, dass die ungerechte Verteilung zwischen Industrie und
Privatabnehmer ein Ende haben würde, bleibt wohl einer der Wünsche für
2012, die sich nicht erfüllen werden.
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